Showtime: Glitzer-Ausstellung in Hamburg

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe bringt Exponate zum Funkeln

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe bringt Exponate zum Funkeln – in der weltweit ersten Ausstellung zum Thema „Glitzer“.

Glitzer ist so alt wie die Menschheit. Schon Neandertaler mischten Pigmente und funkelnde Mineralien, vermutlich als Schminke. Im alten Ägypten wurden Pailletten aus Gold auf Stoffe gestickt und Leonardo da Vinci ersann eine Stanzmaschine („macchina punzonatrice“), um die metallenen Plättchen herzustellen. In der Neuzeit kamen Anwendungen hinzu, die über Dekoration weit hinausgehen: Ob auf Bühnen, Protestplakaten oder in Kinderzimmern – das schillernde Material wurde zum Ausdruck von Identität, Selbstbestimmung und Widerstand.

Glänzende Aussichten für Glitzer-Fans

Darum widmet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) dem Phänomen nun eine eigene Ausstellung. Als erstes Museum weltweit beleuchtet das MK&G die kulturelle, politische und gesellschaftliche Bedeutung von Glitzer aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Ausstellung läuft vom 28. Februar bis zum 26. Oktober 2025 und zeigt Werke von rund 40 internationalen Kunstschaffenden.

Ob als Ausdruck von Freude, als Protest gegen Körpernormen, Zeichen der LGBTQ+-Community oder glamouröses Stilmittel in der Popkultur – die Sammlung verspricht glänzende Aussichten. Werke von Künstlern wie Quil Lemons, Mickalene Thomas und Molly Soda unterstreichen die Bedeutung des Materials in der Selbstinszenierung und als Mittel des Aktivismus. Zu den Exponaten gehören unter anderem ein glitzerndes Jugendzimmer der Hamburger Künstlerin Jenny Schäfer, bunte Skateboards, Show-Perücken von Olivia Jones und ein Bühnenoutfit von Bill Kaulitz.

Schimmernde Gemälde aus dem Saugroboter

Ab Juni 2025 kommt eine Rauminstallation des Künstlerduos :mentalKLINIK hinzu: „Puff Out“ wird ein 300 Quadratmeter großes Areal in eine fuchsiafarbene Glitzerlandschaft verwandeln. Das türkisch-belgische Kollektiv hat dafür 20 Staubsaugerroboter modifiziert. Sie nehmen kontinuierlich Glitzer auf und stoßen ihn hinter sich wieder aus. So entsteht ein „Gemälde in Bewegung“ auf dem pink glitzernden Boden.

Die sechs Kapitel der Glitzer-Ausstellung

Dr. Carsten Brosda, Hamburger Senator für Kultur und Medien, hebt die gesellschaftliche Relevanz des Materials hervor: „Glitzer ist mehr als bloße Dekoration – er steht für Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Widerstand.“ Darum gliedert sich die Ausstellung in sechs Themenbereiche:

 

  • Die „Hall of Glitter“ ist ein immersiver Raum mit Alltagsobjekten wie Sticker-Alben, Nagellack und Tanzschuhen, der Glitzer in seiner ganzen Anwendungsbreite präsentiert.
  • „Glitter up!“ vermittelt Einblicke in den politischen Einsatz als Mittel des Protests und beim Hinterfragen von Körperidealen und Geschlechterrollen.
  • „Sparkle and Shine“ feiert die Rolle von Glitzer in Performance, Mode und Identitätsbildung mit Kostümen, Perücken und Videoarbeiten.
  • Der „Teenage Glitter“ hebt die Bedeutung von Glitzer in der Jugendkultur hervor – von Internet-Trends hin zu Coming-of-Age-Geschichten.
  • „Glitter Craft“ rückt den Do-it-Yourself-Aspekt in den Vordergrund: Glitzer als Werkstoff und Mittel kreativer Selbstverwirklichung.
  • Die „Glittermania – Geschichte des Glitzerns“ schließlich stellt historischen Kontext her – mit der gesellschaftlichen Entwicklung von der Antike bis zur heutigen Popkultur.

 

Showtime: Glitzer-Ausstellung in Hamburg
„Untitled“ aus der Serie „Marea Verde“, 2018, von Gisela Vola. Foto: Gisela Vola
Showtime: Glitzer-Ausstellung in Hamburg
„Untitled III“, aus der Serie „And Everything Nice“, 2015 von Hannah Altman. Foto: Hannah Altman
Showtime: Glitzer-Ausstellung in Hamburg
„Shitty Craft Club“, organisiert von Sam Reece, 2021. Foto: Ali Levin.
Showtime: Glitzer-Ausstellung in Hamburg
Videostill aus „Style Over Substance“, 2021, von The Huxleys. Foto: The Huxleys
Showtime: Glitzer-Ausstellung in Hamburg
Installation„Puff Out“, 2018, von :mentalKLINIK. Foto: Ozge Balkan

 

mkg-hamburg.de